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Kulturelle Eigenarten und Umgangsformen im Gesundheitsbereich in Tanzania

Die wichtigsten Sprachen: Swahili, Englisch
Abstammung: 99 % Afrikaner, 1 % Andere
Die wichtigsten Religionen: Christen 45 %, Muslime 35 %
Naturreligionen bzw. einheimische Religionen 20 %
Die meisten Volksgruppen bzw. Stämme sind Bantus
Insgesamt : ca. 120 Volksgruppen

Vorherrschende Krankenversorgung:
Traditionelle Medizin: Das Ziel der Bantus besteht darin, Leben spendende Kräfte zu erlangen, um das Dasein zu stärken. Krankheiten, Wunden, Enttäuschungen, Leiden und Tod zehren an den lebenswichtigen Kräften. Die Quellen dieser Kraft finden sich in variierendem Maße in Gott, im Geist bzw. Geistern, dem Schöpfer; dann in den Vorfahren, gefolgt von lebenden Menschen und am schwächsten in Tieren, Pflanzen, Mineralien, Sand und Ton. Die traditionellen Heiler berufen sich als Teil des Heilungsvorgangs auf böse Geister. Von der Regierung anerkannte Medizinmänner bedienen sich der Heilpflanzen.

Vorherrschende praktische Gesundheitsvorsorge:
Der Trend geht zu Gesundheitsvorsorge bei Säuglingen und Kindern.

Volks- bzw. rassenspezifische oder endemische Krankheiten:
Endemisch:
Chloroquine-resistente Malaria (auf dem Lande und in den Städten); Infektion durch die Tsetse-Fliege.
Risiko: Cholera; Schistosomiasis.
Die häufigsten Gründe für Krankheit und Kindersterblichkeit sind ansteckende Krankheiten und parasitäre Infektionen. In der Bevölkerung werden gibt es 29 Begriffe, um eine Diarrhoe zu beschreiben. Die AIDS-Rate liegt bei 95,47 auf 100.000 Einwohner.

Status eines Gesundheitsteams:
Professionelle Angehörige medizinischer Berufe tragen Uniform. Die Begrüßung zu Beginn einer Konsultation bevor irgendetwas anderes gesagt wird, ist sehr wichtig. Das zeigt dem Patienten, dass die Dienst habenden Mediziner für sie bereit sind.

Die Rolle der Familie bei der stationären Versorgung:
Hygiene, Hilfe beim Stuhlgang, Versorgung mit Nahrung und weitere Aufsicht und Betreuung wird von Familienangehörigen übernommen, die sich in der Nähe des Bettes aufhalten. Es kommt vor, dass Familienmitglieder ihre Patienten dazu zwingen, örtlich verfügbare pflanzliche Mittel einzunehmen, die der Medizinmann verschrieben hat.

Vorherrschende Verhaltensmuster:
Weil sich die Wertschätzung mehr auf die ganze Familie als auf den Einzelnen bezieht, wird eine Redeweise gepflegt, die eher den Gruppenbesitz als den persönlichen Besitz als bedeutend widerspiegelt. In ihrer Tradition ist der Status der Frauen niedriger als der der Männer. In einigen Stämmen kommt während der Schwangerschaft einer Frau ihrer Schwiegermutter eine Schlüsselrolle zu.

Augenkontakt: Jemanden direkt anzuschauen ist akzeptabel.

Berührungen: Körperkontakte sind möglich.

Verständnis von Zeit: Der Faktor Zeit spielt keine entscheidende Rolle.

Geburtsrituale: Traditionelle Geburtshelfer werden häufig eingesetzt, während in den Gesundheitseinrichtungen ausgebildete Hebammen als Geburtshelfer fungieren. Viele Frauen bevorzugen es, ihre Kinder daheim zur Welt zu bringen. Sexuelle Enthaltung während der Schwangerschaft ist relativ weit verbreitet. Es besteht die Tendenz, eher Jungen als Mädchen haben zu wollen. In einigen Stämmen dürfen sie die Nabelschnur nicht berühren, bis sie von selbst abfällt; einige tun Kuhdung auf die Nabelschnur.

Sterberituale: Unter den dominierenden Bantu-Stämmen ist der Tod nur dann ein normaler Teil des Lebens, wenn er im Alter eintritt. Unter jüngeren Altersgruppen wird der Tod eher als absichtlich herbei geführt betrachtet, möglicherweise durch Feinde.

Essensgewohnheiten und Besonderheiten: In einigen wenigen Stämmen dürfen Kinder ungehindert Alkohol trinken.

Versorgung der Neugeborenen:
Das Stillen mit Kolostrum beginn am ersten oder zweiten Tag nach der Geburt und kann sich über zwei bis drei Jahre fortsetzten. Ab dem dritten oder vierten Monat bekommen die Säuglinge ihre erste dünne Maissuppe.

Kindererziehung:
Die wichtigste Rolle der Frau besteht darin, so viele Kinder wie möglich zur Welt zu bringen und die volle Verantwortung für die Betreuung und Erziehung zu übernehmen. In der Vorschulzeit müssen auch Familienangehörige oder Babysitter für die Kinder sorgen. Beschneidung der Mädchen und Exzision sind in einigen Volksgruppen weit verbreitet. Traditionell bleiben junge Frauen mit beginnender Pubertät zuhause, um angemessenes Verhalten zu lernen; sie haben nur begrenzt Kontakt mit Männern. Zu den traditionellen Praktiken der Familienplanung gehören Stillen, Enthaltsamkeit und Polygamie.

Nationale Impfprogramme für Kinder:
BCG bei der Geburt, DPT mit sechs, zehn und 14 Wochen, OPV bei der Geburt und mit sechs, zehn und 14 Wochen; Masern mit neun Monaten.

Weitere Charakteristika:
Eine erste Beziehung bzw. Interaktion kann dadurch beginnen, dass man einander anlächelt: eine Person beginnt damit ganz vorsichtig und die Andere erwidert das.


Übersetzung: Karl Lagershausen

With special thanks to Denise Dale.
Content translated from original English publication. Reprinted with permission from Geissler: Mosby’s Pocket Guide to Cultural Assessment, 2nd ed. © 1998, Elsevier, Inc.
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