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Ray Martin

Im Gespräch mit: Ray Martin,
Geschäftsführender Direktor von
Christian Connections for International Health (CCIH).

Das Gespräch führte Evelyn Gerland, Projektmanagerin von Christian Connections for International Health (CCIH).
Übersetzung: Karl Lagershausen (MMH/MMS)

Ray Martin arbeitet seit 2000 als Geschäftsführender Direktor von CCIH. Er hat mehr als 40 Jahre Erfahrung als Spezialist für Internationale Entwicklung und Öffentliche Gesundheit. Kürzlich hat er die 1600 Mitglieder umfassende International Health Section of the American Public Health Association (APHA) geleitet und den Distinguished Service Award dieser Sektion erhalten. Während seines 25jährigen Dienstes mit USAID war er Leiter der Büros für Gesundheit, Bevölkerung und Ernährung in Zaire, Pakistan und Kamerun. Darüber hinaus war er in Ghana und Marokko tätig. Von 1992 an hat er als Spezialist für Öffentliches Gesundheitswesen einige Jahre für die Weltbank Programme für Afrika entwickelt, bevor er eine unabhängige Beratertätigkeit begann. Seine internationale Laufbahn begann mit einem freiwilligen Einsatz mit den Mennoniten in Dorfentwicklung in Somalia und mit der Flüchtlingshilfe in Tansania. Er hat einen B.A. in Wirtschaftwissenschaften vom Goshen College und den MPH von John Hopkins School of Hygiene and Public Health und erfüllte die Voraussetzungen für einen Masters Degree in Wirtschaftswissenschaften der Vanderbilt University. Er spricht fließend Französisch.

>Nähere Erläuterungen zu Christian Connections for International Health (CCIH)

Wie es anfing

CCIH: Wie begann das mit Deinem Engagement im internationalen Gesundheitsdienst?

Ray: Ich schreibe mein Interesse an internationaler Entwicklungsarbeit dem Missionsinteresse meiner Eltern zu. Ich bin in einer mennonitischen Familie in Pennsylvania aufgewachsen. Das christliche Gemeindeleben war ein sehr wichtiger Teil unseres Lebens. Meine Eltern betrieben Landwirtschaft und interessierten sich sehr stark für Mission. Auch wenn ich - geographisch gesehen - in einem eng begrenzten Rahmen aufwuchs, gab es doch dieses Fenster zur großen Welt auf Grund des Interesses meiner Eltern an Weltmission. Mit 21 Jahren ging ich dann erstmals freiwillig zu einem Einsatz nach Übersee, - drei Jahre in Somalia und Tansania. So dem Leben in Übersee ausgesetzt zu sein sowie die Faszination und die Herausforderungen dieses Arbeitsaufenthalts in Afrika überzeugten mich und weckten in mir den Wunsch, mein Leben für die internationale Entwicklungsarbeit einzusetzen. Ich habe dann mit dem Studium der Wirtschaftswissenschaften begonnen, einige Zeit für USAID gearbeitet und habe von den Wirtschaftswissenschaften und Programmkoordination zu Public Health (Öffentlicher Gesundheitsdienst) gewechselt. Das Interesse an internationalen Angelegenheiten blieb bestehen. So begann – kurz skizziert – der Weg, der mich dahin geführt hat, wo ich heute mit Glaubensorganisationen im weltweiten Gesundheitsdienst tätig bin.

Dollars und mehr

CCIH: Wie hast du diese ersten drei Jahre deines freiwilligen Dienstes in Übersee finanziert?

Ray: Das offizielle Programm des freiwilligen Dienstes der Mennoniten hat dafür die Kosten übernommen; aber das war damals kein großer Kostenpunkt. Sie mussten mich natürlich von den USA nach Ostafrika verfrachten. Sie sorgten für Unterkunft, die im Busch allerdings nur aus einer Lehmhütte mit einem Grasdach bestand. Mein Essen – was ich und wie ich aß – war ebenfalls nicht teuer. Mein Taschengeld betrug damals im Jahr 1961 10 $ pro Monat. Ich war ein eher preiswerter Freiwilliger. Aber aus eigener Tasche musste ich nichts beisteuern.

CCIH: Hast du dir über deine finanzielle Absicherung jemals Sorgen gemacht?
Ray: Nein. Ich hatte ein paar Dollar gespart, weil ich in den Sommerferien gearbeitet hatte, aber das war nicht viel. Als ich aus Afrika zurückkam, stellte sich die Frage: Wie das College finanzieren? Ich hatte vor meiner Reise erst zwei Jahre absolviert. Aber die Kosten waren damals – verglichen mit heute – niedrig. So konnte ich – wenn´s gut ging – durch Jobs im Sommer ein gut Teil dessen verdienen, was ein Jahr College kosten würde. Wenn ich mich richtig erinnere, musste ich mir nie Geld leihen. Damals in den Sechziger Jahren stellten sich die finanziellen Dimensionen etwas anders dar als heute.

Eine Wahl treffen

CCIH: Warum bist du nach deinem College-Abschluss zu USAID gegangen und nicht einer mennonitischen oder einer anderen christlichen Missionsgesellschaft beigetreten?

Ray: Mit dieser Frage habe ich mich sehr intensiv beschäftigt. Wegen meiner starken Verwurzelung in einer christlichen Gemeinde wäre es eigentlich logisch gewesen, mich für eine weitere Mitarbeit in einer Organisation wie dem Mennonitischen Zentralkomitee zu entscheiden. Während meiner Zeit mit dem Freiwilligen Dienst der Mennoniten hatte ich gelegentlich mit USAID Kontakt. Deren Büro befand sich sogar in demselben Gebäude wie das des Christian Council of Tanganjika, mit denen ich zusammen arbeitete. Dadurch wurde mir USAID bekannt. Nach dem College beschäftigte mich die Frage: Und was jetzt? In meinem Kopf ging es ständig hin und her. Sollte ich mit den Mennoniten oder einer anderen christlichen Mission weiter arbeiten oder einer Organisation wie USAID. Die Entscheidung fiel schließlich zugunsten von USAID, weil die über viele finanzielle Mittel verfügten und über viel Einfluss und Gewicht. In meiner jungendlichen Begeisterung dachte ich, über USAID könnte ich mich wirksamer einbringen. Ich bin mir nicht sicher, ob ich heute noch einmal so argumentieren würde. Aber unabhängig von meinem eigenen Weg: Ich befürworte es sehr, dass Christen in säkularen Organisationen mitarbeiten; aber ich bin genau so dafür, dass Christen sich mit christlichen Organisationen im säkularen Umfeld engagieren. Ich habe stets die positive Bedeutung christlicher Organisationen in der internationalen Entwicklungsarbeit betont. Aber ich halte es für genau so wichtig, dass viele Christen sich in kleine und große säkulare Organisationen einbringen wie zum Beispiel der Weltbank, USAID oder die Abteilungen der UNO, wo sie durch ihre direkte Mitarbeit „Licht und Salz“ sein können.

Ich ermutige junge Leute sehr, die über eine Karriere mit einer säkularen Hilfsorganisation nachdenken oder sogar in einer Profit orientierten Firma, sich dafür zu entscheiden, aber unter der Voraussetzung, dass sie es sich zutrauen, ihren christlichen Glauben und ihre Werte beizubehalten. Das ist nicht immer leicht, aber wenn sie meinen, im Blick auf ihren Glauben und ihre Werte keine Kompromisse eingehen zu müssen, wenn sie in einer säkularen Organisation mitarbeiten, finde ich es fantastisch, wenn sie so frei sind und sich für eine Karriere in einer Regierungs- oder anderen säkularen Organisation entscheiden.

Auf dem Weg des Glaubens

CCIH: Du sagtest, du hättest als sehr traditionsbewusster Mennonit begonnen. Jetzt leitest du diese Organisation (CCIH), die sehr viele verschiedene christliche Denominationen vernetzt. Wie hat das deinen persönlichen Glauben verändert?

Ray: Bereits während meiner drei Jahre in Somalia und Tansania hat es für mein Leben und meinen Glauben weit reichende Veränderungen gegeben. In einer stark mennonitisch geprägten Tradition aufgewachsen, fand ich mich als gerade mal Zwanzigjähriger in einem muslimischen Dorf in Somalia wieder. Später arbeitete ich in einem ökumenisch geprägten Umfeld für das Christian Council of Tansania in Dar es Salaam. Meine Augen wurden für die unterschiedlichen Glaubensprägungen und religiösen Organisationen samt deren Erfahrungen geöffnet. Die Folge war, dass ich meine eigenen Ansichten und meinen Glauben auf eine breitere Basis gründete. Ich war nicht mehr länger – ich denke, man kann das so sagen – „der engstirnige protestantische Christ“, der ich zuvor gewesen war. Deshalb fühle ich mich jetzt äußerst wohl, in einem ökumenischen Umfeld zu arbeiten, und ich habe genau so wenig Probleme, im Umfeld anderer Religionsgemeinschaften zu arbeiten.

Ich glaube nicht, dass man, wenn man so mit anderen Religions- und Glaubensgemeinschaften zusammen arbeitet, seinen eigenen Glauben verneinen oder im Blick auf seine Werte Kompromisse eingehen muss. Man lernt sogar den Glauben und die geistlichen Erfahrungen anderer Menschen wertschätzen, während man selbst an eigenen Grundüberzeugungen festhält. Und man kann darüber hinaus offen sein für die Möglichkeiten, mit den anderen zusammen zu arbeiten und gesteckte Ziele gemeinsam zu erreichen. Das macht nach meiner Erfahrung die Zusammenarbeit im Bereich des Gesundheitssektors so attraktiv: Leute aus allen Glaubensgemeinschaften und Menschen ohne Glauben scheinen darin überein zu stimmen, dass es besser ist gesund zu sein als krank. Und es ist gut, dass es öffentliche Bestrebungen gibt, die Menschen davor zu bewahren, dass sie überhaupt krank werden. Gesundheit ist ein Bereich, in dem Menschen aus unterschiedlichen christlichen Traditionen und anderen Religionen sich zusammentun und gemeinsame Ziele anstreben.

CCIH: Hast du deinen Glauben zum Ausdruck gebracht, während du mit säkularen Werken wie Regierungs- und internationalen Organisationen zusammen gearbeitet hast?

Ray: Diese Frage ist nicht einfach mit Ja oder Nein zu beantworten. Einerseits lautet die Antwort: Nein. Ich habe nicht ständig versucht, mit Menschen Gespräche über meinen und ihren Glauben zu führen. Ich bin auch nicht umher gegangen und habe meine Kollegen gefragt, ob sie denn „errettet“ seien. Tatsächlich war es in der mennonitischen Tradition eher so, dass sie in einigen Kreisen den Schwerpunkt auf die Predigt legten und den Menschen sagten, was sie glauben sollten, es auf der anderen Seite aber auch eine Richtung gab, wo die Betonung mehr darauf lag, den Glauben zu leben. Der Gedanke dabei war: Wenn du deinen Glauben lebst, dann werden dein Glaube und deine Werte dadurch sichtbar, wie du dein Leben lebst. Dadurch lag nicht so viel Verantwortung auf dem Einzelnen, durch Worte Menschen zu Gott zu rufen, - du lebtest deinen Glauben, du warst ein Zeuge durch die Art und Weise wie du lebtest, und so rief Gott Menschen zu sich. So bin ich davon ausgegangen, dass mein Christsein nicht darin bestehen musste, überall ständig und öffentlich über meinen Glauben zu reden. Ich habe ihn natürlich nicht verborgen gehalten. Es mag sogar so gewesen sein, dass ich später, als ich reifer wurde, eher bereit war, über meinen Glauben zu reden, wenn sich die Gelegenheiten dazu ergaben. Aber ich habe mich auf diese Weise nicht in das Leben anderer Menschen hinein gedrängt.

Netzwerker

CCIH: Lass uns über die Organisation reden, mit der du jetzt arbeitest, die CCIH. Die CCIH hilft ihren Mitgliedern, Netzwerke zu bilden. Studenten haben noch nicht viel Erfahrung und nicht das Fachwissen in Fragen des internationalen öffentlichen Gesundheitswesens; kannst du uns einige Möglichkeiten aufzeigen, wie Studenten sich erfolgreich in die Netze der Profis einklinken können?


Ray: Über dieses Thema spreche ich besonders gern. Für junge Menschen ist das ein sehr wichtiges Thema. Der Übergang vom College oder der Universität ins Berufsleben ist oft mit ziemlich viel Unsicherheit und Vorwärtstasten verbunden. In vielen Jobs kannst du gar nicht erst landen, es sei denn du bringst drei oder fünf Jahre Erfahrung mit. Aber woher sollst du diese Erfahrung bekommen, es sei denn, irgendjemand stellt dich an und verschafft sie dir.

Dazu einige Gedanken. Viele Studenten haben noch nicht zur Kenntnis genommen, dass sich ihnen bereits Möglichkeiten bieten, während sie noch zur Schule, ins College oder auf die Uni gehen. Sie können sich bereits dann bestehende Netzwerke zunutze machen und Beziehungen zu Menschen aufbauen, die ihnen später helfen können, einen Job zu finden. Meine Tochter hat das so gemacht. Sie dachte zunächst, sie sollte sich voll und ganz aufs Studium konzentrieren, um einen guten Abschluss zu machen und sich danach um einen Job zu bemühen. Falsch! Der bessere Weg ist: Während du noch „die Schulbank“ drückst, schau dich um, was es für Möglichkeiten gibt; schau, was andere Leute machen und lass dich von ihnen sehen; nimm an Konferenzen, Seminaren und Workshops teil; stell dich – wo immer möglich – dem Redner vor und lass deinen Namen überall bekannt werden als einen, dessen Leidenschaft der weltweite Gesundheitsdienst ist oder was immer sonst dein Thema sein mag.

Ein freiwilliger Kurzzeiteinsatz ist eine andere gute Sache. Mach ein Praktikum oder in einem Programm für ein ganzes Semester mit, - egal, ob du dafür bezahlt wirst oder nicht; Hauptsache, es verschafft dir die Erfahrung, auf der du aufbauen kannst, während du deine beruflichen Ziele weiter verfolgst. Mach dir so etwas auf jeden Fall zunutze. Darüber hinaus kannst du bereits während deiner Zeit im College Organisationen wie CCIH beitreten, dem Global Health Council oder der American Public Health Association; arbeite dort in einem Komitee mit in einem Projekt, wo du mit allen Wassern gewaschenen Veteranen „in die Quere kommst“ und zwar so, dass die dich gar nicht übersehen können. Die lernen dich kennen, vor allem auch deine Arbeit und trauen dir zu, dass du „liefern“ kannst. Wenn du später einen Job suchst, musst du nicht zuerst einen Haufen Papiere wälzen, sondern du hast eine Liste mit Kontaktpersonen, die dich kennen und sagen: „O ja, dieser Mensch hat uns bei einem Projekt geholfen und darüber eine schriftliche Arbeit verfasst.“ Das alles sind so kleine Haltegriffe, an denen du dich hin zu deinem ersten Job oder zu einer festen Verbindung zu einer Organisation vorarbeiten kannst.

Eine andere Strategie besteht darin, informelle Gespräche zu führen. Schau, ob du zehn Organisationen benennen kannst, mit denen du dir vorstellen könntest zu arbeiten. Sieh zu, ob ein Besuch dort möglich ist und ob du mit einem der Mitarbeiter ein Gespräch über deren Arbeit führen kannst, ob er dir einiges zeigt und dich anderen Mitarbeitern vorstellt. All das sind kleine Kniffe, die dir auf deiner beruflichen Laufbahn weiterhelfen können.

CCIH: Um ganz konkret zu werden: Nimm mich als Beispiel. Als ich mich nach einem Job umschaute, haben mindestens drei Personen zu mir gesagt: „Du solltest einfach mal mit Ray Martin reden“…

Ray (lacht): Ich bin nicht sicher, ob das ein so guter Rat war…

CCIH: Während CCIH-Konferenzen hatte ich die Möglichkeit, mich in deiner Nähe aufzuhalten. Aber jedes Mal, wenn ich richtig nah dran war, dachte ich: „Was soll ich ihm sagen?“ Ich wusste überhaupt nicht, wie ich mit dir ein Gespräch beginnen sollte. Oft warst du bei solchen Gelegenheiten eifrig in Gespräche mit anderen vertieft. Um also Leuten wie mir zu helfen, mit jemandem wie dir oder anderen „Koryphäen“ ein Gespräch zu beginnen, was würdest du vorschlagen, wie er das anstellen soll?

Ray: Nun, man wird sich eine Strategie zurechtlegen müssen. Es stimmt ja, Evelyn, dass du an einigen unserer CCIH-Konferenzen teilgenommen hast und ich dich nie kennen gelernt habe. Aber ein Teil des Problems liegt darin, dass an einer Konferenz, an der 150 Personen teilnehmen, nicht jeder davon ausgehen kann, Zeit für Gespräche mit einer bestimmten Person zu finden, - in diesem Fall mit mir, denn da sind einfach zu viele andere Menschen, die das gleiche wolle. Überleg dir eine Strategie, sei ein wenig clever, lass dir etwas einfallen und versuche eventuell sogar, außerhalb des Konferenzgeschehens eine Gelegenheit zu bekommen. Du kannst das natürlich auch während der Konferenz versuchen. Du hättest ja einfach zu mir kommen und sagen können: „Drei Leute haben mir empfohlen, mit dir zu reden.“ Dann hätte ich mich wahrscheinlich „gebauchpinselt“ gefühlt und bestimmt etwas Zeit für dich gefunden, - eventuell beim Essen mit an meinem Tisch… (lacht) Aber gelegentlich muss man einfach etwas verwegen zu Werke gehen.

Weiter kann man versuchen, zu einer Zeit zu kommen, wenn nicht gerade so viel los ist oder sogar am Ende einer Konferenz. Jemand könnte kommen und sagen: „Schau, ich bringe nicht viel Erfahrung mit, aber so ganz ohne bin ich auch nicht; ein Gebiet, das mich sehr interessiert, ist das folgende… Ob CCIH mit diesem meinem Interesse etwas anfangen kann; ich könnte mich bei einem Projekt mit einbringen, - auch ohne Bezahlung.“ Das wäre so eine Möglichkeit, über die Eingangshürden zu kommen und einen Kontakt herzustellen. Normalerweise besteht bei denen, die verantwortlich im Gesundheitsdienst tätig sind, genügend Interesse, die nachfolgende Generation auszubilden, auch wenn diese Leute meistens überarbeitet sind und ihnen eigentlich die Zeit dafür fehlt; aber das Interesse besteht noch.

Die Versuchung liegt nahe, auf jemanden zu warten, der dir das ideale Angebot auf einem Silbertablett serviert. Aber das passiert so nur ganz wenigen Glücklichen. In der Regel musst du richtig daran arbeiten und dich aus deiner bequemen Sicherheitszone heraus wagen und mutig die ersten Kontakte nutzen und die Besuche machen, die für dich in Reichweite sind.

CCIH: Ich stelle mir folgende Situation vor: Du gehst zu einer Veranstaltung. Die ganze Sache ist für dich ziemlich neu. Du kennst keine Menschenseele, während all die anderen miteinander bekannt zu sein scheinen. Dann gibt es einen Empfang. Wie kann man sich da einklinken oder gar mit vernetzen?

Ray: Gut, eine solche Situation kenne ich. Auch in meiner jetzigen Position muss ich auf Veranstaltungen gehen, die nicht das Übliche sind und wo ich niemanden kenne, mich unsicher fühle und vielleicht sogar fehl am Platze. Es ist wieder nur eine Frage des mutigen Vorangehens und bereit zu sein, das alt Vertraute hinten an zu stellen. Es ist nicht leicht, einfach auf jemanden zuzugehen, sich vorzustellen und ein Gespräch zu beginnen. Vielleicht hat jemand während einer Fragestunde etwas beigetragen, dass in dir etwas zum Klingen gebracht hat, oder es gibt etwas, wo du meinst, da könntest du im Gespräch nachhaken. Nimm das und versuche darauf aufzubauen und das im Gespräch zu vertiefen. Oder du sagst einfach: „Mich interessiert dieses oder jenes, und ich bin dabei, die Meinungen verschiedener Leute zusammen zu tragen. Darf ich Sie nach Ihrer Meinung dazu fragen?“ Dabei kann es sich auch um ganz spontane Einfälle handeln, formuliere deine Frage gerade heraus; das kann genügen, um mit jemandem direkt ins Gespräch zu kommen. Wenn du dich nicht all zu dumm anstellst, sollte das ohne weiteres möglich sein.

CCIH: Eine weitere Frage zum Thema Vernetzen. Du triffst eine Menge Leute. Wie merkst du dir ihre Namen, ihr Aussehen, ihre Interessen?

Ray: Es hilft natürlich enorm, wenn du ein gutes Gedächtnis hast. Aber egal, ob du es hast oder nicht: Mach dir Notizen. Mir macht die Arbeit des Vernetzens Spaß – das hilft enorm. Eine weitere Sache: Wenn ich mit einer neuen Organisation in Kontakt komme, lege ich mir auf meinem Computer dazu eine Datei an. Darin mag zu Beginn nur der Name einer Person stehen und eine Telefonnummer sowie die E-Mail-Adresse. Das gleiche gilt für Einzelpersonen, entweder eine Datei auf dem Computer oder Karteikarten oder ein anderes System, das dir hilft, diese Namen zu registrieren und wieder zu finden. Wenn sich dann irgendetwas ergibt, was für diese oder jene Person interessant sein könnte, schicke ihnen eine Mail oder rufe sie an. Tue irgendetwas, oder wenn du sie das nächste Mal triffst, sag einfach: „Schau, ich habe das gelesen, das interessiert dich sicher…“ Bis zu einem gewissen Grad müssen dir, wenn du als Netzwerker erfolgreich sein willst, diese Gaben mit in die Wiege gelegt worden sein; aber in einem viel höheren Maße, glaube ich, ist erfolgreiches Vernetzen etwas, was man lernen kann.

Karriere im weltweiten Gesundheitsdienst

CCIH: Gibt es für Leute, die sich im internationalen Gesundheitsdienst engagieren wollen, auch dann eine Möglichkeit, wenn sie in ihrem Heimatort in der Nähe ihrer Familie bleiben wollen?


Ray: Das kann nur in sehr begrenztem Maße Realität werden. Wer in der Nähe Washingtons lebt, oder in New York, Boston oder San Francisco,- für den sieht das anders aus, denn dort gibt es eine Menge Organisationen, die sich in der internationalen Entwicklungsarbeit oder dem globalen Gesundheitsdienst engagieren. Falls du jedoch auf dem Lande irgendwo in Iowa oder Texas lebst, wäre das sehr viel komplizierter. An manchen Orten gibt es Kirchengemeinden, die einen Leiter für ihr Missionsteam suchen. Das wäre eine Möglichkeit, sich in internationalen Angelegenheit zu engagieren – in Weltmission, im Gesundheitsdienst oder landwirtschaftlicher Entwicklung mit einer Gemeinde vor Ort. Das ist sicher keine Aufgabe für einen bezahlten Angestellten; einige der Mega-Kirchen haben vielleicht so eine bezahlte Person für die Missionsarbeit, - die meisten jedenfalls nicht. Noch etwas anderes: Eine Menge junger Leute gehen heute zu einem Kurzzeiteinsatz nach Übersee, zwei Jahre mit dem Peace Corps, mit christlichen oder anderen religiösen Organisationen oder eine säkularen NGO. Für jemanden, der noch jung genug ist und möglicherweise allein stehend bietet es sich an, zwei Jahre für den Dienst irgendwo in der Welt einzusetzen. Das garantiert dir natürlich keinen Job im internationalen Gesundheitsdienst, wenn du wieder zurückkommst; aber mit einer solchen Erfahrung hast du sicher die besseren Karten, wenn es um die Besetzung einer solchen Stelle geht.

Andere Möglichkeiten zur Unterstützung globaler Gesundheitsdienste

CCIH: Wie können sich Menschen nichtmedizinischer Berufe im globalen Gesundheitsdienst engagieren?

Ray: Ein guter Start besteht darin, sich zunächst grundsätzlich zu informieren und sich dann auf dem Laufenden zu halten. Das ist im Zeitalter des Internet, von E-Mail und anderen Medien eigentlich kein Problem mehr. Manches Mal bin ich erstaunt, wenn ich irgendwo in der letzten Provinz jemanden finde, der im Blick auf die globalen Anliegen der Weltgesundheit bestens informiert ist. Engagiere dich in deiner christlichen Gemeinde vor Ort, indem du dich beispielsweise in einem Missionskomitee oder einer anderen Dienstgruppe einsetzt. Es gibt viele Gemeinden, die irgendetwas in diesem Bereich anbieten, wo du dich einbringen kannst, - sicher nicht unbedingt in einem bezahlten Job. Schau, ob es in deiner Nähe eine Schule oder Universität gibt, die internationale Verbindungen pflegt, ob da etwas für dich dabei ist. Andere fühlen sich zum Dienst des Gebets berufen. Bete, schreibe Briefe oder E-Mails and Missionare oder „adoptiere“ ein Projekt oder jemanden, der im Gesundheitsdienst in Übersee ist und unterstütze das. Sicher hast die Möglichkeit, gelegentlich eine Konferenz zu besuchen, wo du Leute treffen kannst, die im internationalen Gesundheits- und Entwicklungsdienst tätig sind.

Eine befriedigende Karriere

CCIH: Gibt es noch etwas, was du Studenten mit auf den Weg geben möchtest?

Ray: Etwas, was mich im Blick auf christliche Studenten und ihre Berufswahl oft bewegt: Ich glaube an Berufung. Ich glaube, dass Gott Menschen dazu beruft, Bauer, Lehrer, Hausmeister oder Spezialist im globalen Gesundheitsdienst zu sein. Mich überrascht es immer wieder, wie oft bei dem, was von Jesu Dienst in den Evangelien berichtet wird, von Gesundwerden und Heilung die Rede ist. Ich bin fest davon überzeugt, dass diejenigen unter uns, die sich für irgend eine Form des medizinischen Dienstes berufen wissen, dem bereits sehr nahe kommen, was Jesus wollte und lehrte und an Werten weiter geben wollte. Für mich ist jedwede Berufung wichtig. Aber einem Heilberuf und einem öffentlichen Gesundheitsdienst anzugehören, ist fast schon so etwas wie die perfekte Manifestation dessen, was für Jesus wichtig und wertvoll war und was für mich ganz persönlich über alle Maße befriedigend war.


Eine persönliche Ergänzung von Evelyn Garland zu Ray Martin

Nachdem ich meine Arbeit bei CCIH begonnen hatte, habe ich sehr schnell entdeckt, wenn ich mich irgendwo vorstellte und erwähnte, dass Ray mein Chef sei, dass eine Antwort immer wieder kam: „O, der ist mein Buddy!“ Ich bin immer wieder überrascht, wenn ich entdecke, wie viele Leute aus allen Bereichen Ray kennen und wie sie ihn respektieren. Er ist nicht nur in christlichen Kreisen aktiv, sondern eine Menge seiner „Buddys“ kommen aus anderen religiösen und säkularen Kreisen.
Von all denen, die ich aus dem Bereich der globalen Gesundheits- und Entwicklungsdienste interviewt habe, kenne ich niemanden besser als Ray. Als es jedoch darum ging, ihn zu interviewen, fand ich das unerwartet schwierig. Es gab da so vieles, was ich bei ihm „ausbuddeln“ und Studenten und Jungakademikern zugänglich machen wollte; aber in nur einem Interview kann man unmöglich alles unterbringen. Wenn du selbst weitere Fragen an ihn richten möchtest, fühle dich frei, das zu tun.

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Die Übersetzung des Gesprächs und die Veröffentlichung auf unserer Website erfolgte mit freundlicher Genehmigung von Ray Martin.
Die Medizinische Missionshilfe (MMH/MMS) ist Mitglied von Christian Connections for International Health (CCIH).
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Christian Connections for International Health (CCIH)
- ist ein 1987 gegründeter Zusammenschluss von christlichen Organisationen und Einzelpersonen mit der Zielsetzung, Gesundheit und Ganzheitlichkeit des menschlichen Lebens und der Gesellschaft auf internationaler Ebene aus christlicher Perspektive zu
fördern. Das CCIH - Netzwerk umfasst mittlerweile 300 Einzelmitglieder und 165 Organisationen aus den USA und aus Übersee (132 christliche, sowie 33 ihnen freundschaftlich verbundene Werke). CCIH repräsentiert ein breites Spektrum von Organisationen, vor allem große und kleine christliche Gruppierungen. In dem Netzwerk sind Menschen aus unterschiedlichen Bereichen und Nationalitäten miteinander verbunden. Alle fühlen sich dazu verpflichtet, in unserer Welt den Menschen Zugang zu einer umfassenden Gesundheitsversorgung zu verhelfen, dies ohne Ansehen der Person, des Standes oder der Religionszugehörigkeit.

CCIH sieht drei Hauptaufgaben:
- Austausch von Informationen
- Zusammenarbeit aufbauen und fördern sowie Partnerschaften bilden
- Werbung für das Erreichen unserer Ziele

Anfangs legte CCIH den Schwerpunkt auf den Austausch von Informationen untereinander. Hierbei erwiesen sich netzwerkartige Verbindungen zwischen den einzelnen christlichen Organisationen als hilfreich. In den folgenden Jahren engagierte sich das CCIH immer stärker darin, die Zusammenarbeit zwischen christlichen Werken einerseits und säkularen Entwicklungsdiensten anderseits zu stärken.
Viele Mitglieder der CCIH interessierten sich für eine verstärkte Zusammenarbeit mit Regierungen, Geberorganisationen, Körperschaften sowie Berufsverbänden. Auf der anderen Seite nahm auch das Interesse seitens der staatlichen Entwicklungsorganisationen zu, mit christlichen Werken zusammenzuarbeiten. Das CCIH wird dabei als vertrauenswürdige Vertretung der christlichen Gemeinschaft auf dem Gebiet weltweiter Gesundheitsdienste anerkannt.
Im globalen Kontext der Gesundheitsfürsorge ist CCIH bei vielen Organisationen ein gefragter Partnern, besonders wenn es um Informationen und Kontakten zu christlichen Werken geht. Mitglieder des CCIH unterstützen den Auftrag des CCIH und bejahen die Grundlage des
christlichen Glaubens.
Bei den Organisationen, die sich um eine Zusammenarbeit mit dem CCIH bemühen, handelt es sich um säkulare Institutionen, Organisationen und Unternehmen etc, die Gesundheit und Ganzheitlichkeit weltweit fördern. Sie unterstützen zwar den Auftrag der CCIH, arbeiten auch eng mit dem CCIH und deren Mitgliedern zusammen, als Organisationen sind sie jedoch dem christlichen Glauben nicht verpflichtet.


Kontakt:
Christian Connections for International Health (CCIH)
1817 Rupert Street, Mc Lean, VA 22101 USA
Tel. 703.556.0123,
Email: ccih@ccih.org
www.Ccih.org


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