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WHO fordert Umverteilung für Gesundheit

Soziale Ungleichheit, Machtlosigkeit und schlechte Lebensbedingungen schaden der Gesundheit überall auf der Welt: So kann man den Bericht der Commission on Social Determinants of Health der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zusammenfassen.(1) Vielleicht noch wichtiger ist die Botschaft, dass man dagegen etwas tun kann und muss.

Ein Mädchen in Lesotho hat ein 42 Jahre kürzeres Leben zu erwarten wie ein gleichaltriges Kind in Japan. Aber auch in der reichen Welt ist es um Chancengleichheit schlecht bestellt: Ein Junge, der im Glasgower Stadtteil Carlton geboren wird, hat 54 Lebensjahre vor sich. Im dreizehn Kilometer entfernten Lenzie könnte er 82 Jahre alt werden. Das Risiko einer Mutter in Schweden während Schwangerschaft und Geburt zu sterben, beträgt 1:17.400, in Afghanistan ist es 1:8. Die Biologie kann zur Erklärung nichts beitragen, so die WHO: „Stattdessen beruhen die Unterschiede zwischen und innerhalb von Ländern auf der sozialen Umwelt, in die Menschen geboren werden, in der sie aufwachsen, arbeiten und altern.“ (2) Drei Jahre hat die Commission on Social Determinants of Health das vorhandene Wissen zu den gesundheitlichen Folgen sozialer Ungleichheit gesammelt und ausgewertet. Zahlreiche Gruppen und WissenschaftlerInnen wurden in die Diskussion mit einbezogen. Vor allem aber wurde nach positiven Beispielen gesucht, die zeigen, dass es selbst unter schwierigen Bedingungen auch besser gemacht werden kann. Denn eine wichtige Erkenntnis ist auch: Reichtum bedeutet nicht unbedingt bessere Gesundheit für alle. Was zählt, ist soziale Gerechtigkeit in der Gesundheit.

Reich = gesund?

Global gesehen hat sich die Schere zwischen Arm und Reich in den letzten 25 Jahren noch weiter geöffnet. 1980 hatten die reichsten Länder mit 10% der Weltbevölkerung ein 60 mal so hohes Pro-Kopf-Einkommen wie die 10% der ärmsten Länder. Ein Vierteljahrhundert später ist das Einkommen der Reichen 122-mal so hoch. Schlimmer noch, in vielen benachteiligten Ländern sinkt das Einkommen des ärmsten Fünftels. Reichtum alleine macht aber nicht alle gesund. So ist die Lebenserwartung in den USA mit 75 Jahren nicht höher als die auf Kuba. Dafür sind große soziale Unterschiede verantwortlich. Im vorwiegend von Schwarzen bewohnten Washington DC beträgt die Lebenserwartung gerade einmal 63 Jahre, im vorwiegend von Weißen bewohnten Montgomery County 80 Jahre. Kuba ist nicht das einzige Beispiel für die gesundheitsfördernde Wirkung sozialer Gleichheit. Ähnliche Erfolge weisen Länder wie Costa Rica, Sri Lanka, China oder der indische Bundesstaat Kerala auf.

Lösungen nicht im Gesundheitssektor
Die meisten Gewinne an Lebenszeit können nicht durch medizinische Interventionen gewonnen werden. Andere Faktoren sind letztlich bedeutsamer. Ein Vergleich der Säuglingssterblichkeit in 35 armen Ländern zeigt, dass es einen klaren Zusammenhang zwischen dem Bildungsstand der Mutter und den Überlebenschancen des Nachwuchses gibt. So stirbt jeder zehnte Säugling von Müttern ohne Bildung, bei Müttern mit Abitur ist es jeder 25ste. Gerechtere Gesundheitschancen können deutliche Verbesserungen bewirken. Beispielsweise fiel in Ägypten die Kindersterblichkeit in knapp 40 Jahren von 235 auf 35 pro 1000 Geburten, während sie in Ghana und Nigeria von rund 260 nur auf knapp unter 200 sank.

Als historisches Lehrbild gilt die gute Gesundheit in Skandinavien. Wichtige Faktoren dabei sind soziale Sicherung für alle, Vollbeschäftigung, Geschlechtergerechtigkeit und soziale Teilhabe. Die Einkommen sind relativ gleich verteilt und der Lebensstandard unter verschiedenen Bevölkerungsgruppen ist ähnlich.

Wohnen und Gesundheit

Fast eine Milliarde Menschen leben heute in Elendsvierteln. Sauberes Wasser, Kanalisation und Elektrizität können dort innerhalb kurzer Zeit die Lebensbedingungen drastisch verbessern. Die größere Herausforderung ist, solche Viertel gar nicht erst entstehen zu lassen. Dazu gehört auch eine Verbesserung der Lebensbedingungen in ländlichen Regionen und natürlich die direkte Bekämpfung der Armut. Das geht nicht ohne Umverteilung. Andere Aspekte des Wohnens und Lebens gelten für Nord wie Süd gleichermaßen. Städte sollten so organisiert sein, dass man viele Wege auch gut zu Fuß oder mit dem Rad zurücklegen kann. Denn Bewegungsmangel ist überall eine Bedrohung für die Gesundheit.

Arbeit und Teilhabe

Eine befriedigende Arbeit, von der man akzeptabel leben kann, ist eine wichtige Voraussetzung für Gesundheit. Die Kommission fordert deshalb Mindesteinkommen und Arbeitsgesetze für alle Länder. Krankenversicherung und soziale Absicherung sollte zum selbstverständlichen Standard werden. All das kann aber nur funktionieren (und oft auch erst durchgesetzt werden), wenn alle Gruppen in der Gesellschaft an den demokratischen Prozessen beteiligt werden.

Globale Verteilung

Der Report stellt auch die Frage nach der ungleichen Verteilung von Macht, Ressourcen und ihrer Nutzung. Die durch Verschuldung bedingten Transfers von Süd nach Nord werden ebenso thematisiert wie die skandalöse Tatsache, dass die stagnierende Entwicklungshilfe im Vergleich dazu nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein ist.

Vieles was der Report an Problemen und Zusammenhängen aufzeigt, war schon vorher bekannt. Der Verdienst des Reports liegt nicht nur in der Nennung wichtiger Faktoren, die Gesundheit negativ beeinflussen, sondern vor allem in der Zusammenstellung eines Handlungskatalogs der mit positiven Beispielen unterlegt ist. Die Kommission belebt das Konzept der Basisgesundheitsversorgung wieder, das Gesundheit als politische Querschnittsaufgabe begreift. Ohne die Arbeit des Peoples Health Movement (3) hätte dieser Gedanke wohl kaum wieder den Weg in die internationale Debatte gefunden. Man darf gespannt sein, wie die Mitgliedsstaaten der WHO reagieren.

Jörg Schaaber


Mit freundlicher Genehmigung: BUKO Pharma-Kampagne/Pharma-Brief Nr 7/2008.
www.bukopharma.de
_________________________

1) CSDH. Closing the gap in a generation: health
equity through action on the social determinants
of health. Final Report of the Commission
on Social Determinants of Health. Geneva
2008, World Health Organization
www.who. int/social_determinants/final_report/en/

2) WHO. Inequities are killing people on a
„grand scale“ reports WHO commission.
Press release 28.8.2008

3) www.phmovement.org