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++++Märkische Allgemeine, 29.8.2013, Lokalteil Oberhavel++++

Am Ende der Welt und fünf Stunden weiter -
Zehdenicker Ehepaar besucht Gesundheitsstation Bugamba in Tansania

Der Staub auf der Bundesstraße von Tabora nach Kigoma hat alle Sträucher und Bäume am Straßenrand rot gefärbt. Zwölf Stunden saßen Karen und Jörg Kerner aus Zehdenick im überfüllten Bus auf den Weg zu ihrem Hilfsprojekt. Der rote Staub verursacht Reizhusten und dringt in alle Ritzen. Endlich angekommen und doch noch nicht da.

Der weißgetünchte Bahnhof in Kigoma erinnert noch an die alte Kolonialzeit der Deutschen. Doch die Bahn fährt nur noch sporadisch und braucht von Dar es Salam zwei Tage. Überall sieht man geschäftige Leute. In bunte Tücher gehüllte Frauen sitzen am Straßenrand und verkaufen selbstgebackene süße Brötchen und Männer mit bloßem Oberkörper treten angestrengt in die Pedalen, um ihre riesigen Bündel Gras für Viehfutter in die Stadt zu bringen.

Gut gekleidete Geschäftsleute sprechen auffällig laut mit ihrem Handy und Tagelöhner schieben ihre Karren durch die Straßen, in der Hoffnung im letzten Abendrot noch irgend einen Transport zu bekommen. Jeder scheint hier sein Mradi (Projekt) zu haben.
Kigoma ist die westlichste Stadt in Tansania und liegt am größtem Wasserreservoir Ostafrikas - dem Tanganyika-See. Hier leben im Umkreis bis zu 300000 Menschen. Die afrikanische Idylle erscheint exotisch und durch improvisierte Infrastruktur auch phasenweise abenteuerlich. Dies sind jedoch nicht die Beweggründe, warum es Ehepaar Kerner hier nach Afrika verschlägt. Vor über zwanzig Jahren haben sie in der Region in einem Krankenhaus der Region gearbeitet. Die Ärztin und der Diakon haben einen Teil ihres Herzens in Afrika verloren. Nach ihrer Rückkehr 1992 nach Deutschland zogen sie nach Zehdenick und unterstützen seit dem das Bugamba-Projekt der Medizinischen Missionshilfe (MMH/MMS).


Kigoma ist abseits der Wirtschaftszentren ein armes und vernachlässigtes Hinterland Tansanias. Viele Familienväter verdingen sich in den großen Städten Daressalam oder Mwanza. Eine gut funktionierende Industrie gibt es in Tansania ohnehin nicht und hier „am Ende der Welt“ in der Kigoma-Region erst recht nicht. Die meisten Menschen leben von den Produkten der Landwirtschaft und von kleinen Dienstleistungen. Das Bildungssystem schwächelt und in der Gesundheitsversorgung mangelt es an allen Enden. Malaria ist weiterhin das größte Problem und danach folgen die üblichen Krankheiten, die durch gute hygienische, und sanitäre Maßnahmen bewältigt werden könnten: Magen- und Darm-Erkrankungen. Das Bevölkerungswachstum erhöht die Problematik und die mangelhaft versorgten Gesundheitsstationen des Staates haben nach etwas mehr als der Hälfte des Monats keine Medikamente mehr. Tansania gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Deshalb sind die kleinen Medizinischen Stationen von ausländischen Hilfswerken ein Lichtblick für die Bevölkerung.
Die kleine Gesundheitsstation liegt am Ufer des Tanganyika-See´s.

Unterwegs nach Bugamba

Dazu mussten die beiden Zehdenicker noch einmal eine fünfstündige Fahrt mit einem Shuttle-Boot bis nach Bugamba machen. Der medical klinical officer Gideon Kibambai, der diese Arbeit in Bugamba verantwortet, empfängt das Ehepaar in der Hafenstadt und begleitet sie nach Bugamba. Dicht gedrängt, mit Hühnern und Ziegen, Mehlsäcken und Fässer mit Petroleum, sowie über einhundert Passagieren machen sie sich auf den Weg. Die Sonne scheint erbärmlich heiß und die lebhafte Unterhaltung der Fahrgäste ermüdet die Köpfe der Deutschen. Ihr einfaches Kisuaheli reicht gerade für die alltägliche Konversation. Alles Weitere wird über Englisch, sowie mit Händen und Füßen geregelt.

Auf dem Boot nach Bugamba

Tansanier sind freundliche und einladende Menschen. Sie sind glücklich, auch wenn man ihnen auch nur mit einfachen Sprachkenntnissen begegnet. Ihre Gastfreundschaft ist unbegreiflich großzügig. Freundlich und herzlich wird Ehepaar Kerner in Bugamba von den Mitarbeitern empfangen und beköstigt. In Bugamba leben 2,5 bis 3 Tausend Menschen. Es gibt dort keine Straßen. Alles, was im Ort benötigt wird, muss mit dem Boot gebracht werden. Der Fußweg zur nächsten Straße führt über die Berge und dauert 4-5 Stunden. Es gibt eine Grundschule und seit drei Jahren eine Oberschule. Aber es fehlen Lehrer die bereit sind nach Bugamba zu gehen. Die staatliche Gesundheitsstation ist auch hier nur sporadisch besetzt und hat nicht genug Medikamente. Die Gesundheitsstation von Doctor Kibambai liegt direkt am See. Hier arbeiten drei Schwestern, eine Laborantin und ein Angestellter, der die Karteikarten der Patienten führt.

Laborant in Bugamba

Auf der Station warten am nächsten Morgen schon einige Patienten. Eine der Schwestern kümmert sich um eine Frau, die im Bett am Tropf liegt. Nachdem die akuten Dinge geregelt sind, zeigt der Arzt seine Station. Seit über achtzehn Jahren wird er von der Medizinischen Missionshilfe aus Deutschland finanziell getragen. Hauptsächlich wird die Arbeit von dem Kirchenkreis Aachen und anderen Kirchengemeinden im Rheinland und aus Giessen unterstützt. Die Kirchengemeinde Zehdenick unterstützt mit kleinen Projekten dieses Projekt. Der Eigenbeitrag der Patienten beträgt zwischen 1,50 bis 3 Euro bei einem Tageslohn von ca.3-4 Euro. Davon können gerade einmal ein Viertel der Gehälter finanziert werden. Ehepaar Kerner findet hier eine gut funktionierende Dispancery vor. Der Medikamentenstore ist ausreichend gefüllt und die Station ist geordnet und sauber. Dennoch zeigen die gut geführten Statistiken einige Grenzen auf. Besonders in der Regenzeit von November bis Mai reichen die vier bestehenden Betten bei weitem nicht aus. Das Mikroskop ist schon zwanzig Jahre alt und funktioniert in den Regenmonaten nur dürftig. Ohne Strom ist der Sterilisator im Verbandszimmer nur Kulisse.

Malariakrankes Kind erhält Infusion

Im Geburtszimmer steht ein in Deutschland ausgemustertes Geburtsbett aus den sechziger Jahren. Hier in dem Dorf könnte eine Solaranlage einge Aushilfe schaffen. Ein Anbau mit weiteren 8 Betten könnte für Entspannung während der Malaria-Epedemien im Frühjahr sorgen. Alles in allem behandeln die Mitarbeiter zwischen 6-8 Tausend Patienten im Jahr. Manche schwere Fälle können mit einem eigens für diese Station angeschafften Bootes in nur zwei Stunden ins Krankenhaus nach Kigoma gebracht werden. Dies kostet jedoch über sechzig Euro pro Tour.

Bei einem Rundgang durch das Dorf versichert die Bevölkerung, wie wichtig diese Arbeit für Bugamba ist. In der anglikanischen Kirche treffen die Kerner´s Mitarbeiter der Gesundheitsstation wieder. Es wird ihnen deutlich, wie gut diese Arbeit im Dorf verankert ist. Mit einem nachdenklichen und einem ermutigendem Gefühl verabschieden sie sich aus Bugamba.

Am Ende der Welt pulsiert das Leben und ist dennoch von Krankheiten bedroht. Alle Initiative und besonders die Spenden der kleinen Leute kommen an und sind hilfreich. Jeder Euro hat in Tansania einen Mehrwert des Zehnfachen. Nach dem Besuch der anderen Gesundheitsstation in Nkalinzi kehren die Afrika-Reisenden nach Deutschland zurück. Es gibt noch einiges zu tun.

Fotos und Text: Jörg Kerner