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Klimadebatte muss Frauen stärker berücksichtigen

Investitionen in Frauen und Mädchen stärken die Widerstandsfähigkeit der Menschen gegenüber den Folgen des Klimawandels.
Die internationale Klimapolitik kann nur dann erfolgreich sein, wenn sie die Bevölkerungsdynamik, Frauenförderung und Gesundheit stärker berücksichtigt. Das ist eine der grundlegenden Erkenntnisse aus dem aktuellen UNFPA-Weltbevölkerungsbericht. Nach Auffassung von Klimaforschern haben im Laufe des letzten Jahrhunderts schnelles Bevölkerungswachstum und Industrialisierung zu einem raschen Anstieg von Treibhausgasemissionen geführt. UNFPA, der Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen, kommt zu dem Ergebnis, dass ein langsameres Bevölkerungswachstum Ländern hilft, sich kurz- und mittelfristig besser an Klimaveränderungen anzupassen, und darüber hinaus langfristig zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen beiträgt. Nach Einschätzung von Experten würden bei einem Anstieg der Weltbevölkerung bis 2050 auf nur acht Milliarden anstelle der bislang projizierten neun Milliarden Menschen etwa ein bis zwei Milliarden Tonnen weniger Kohlenstoffdioxid (CO2) freigesetzt.

Bevölkerung und Klimawandel: In Gesundheit und Familienplanung investieren

"Hier zeigt sich, wie wichtig nachhaltige Investitionen in Gesundheit, vor allem reproduktive Gesundheit und Familienplanung, sind", erläuterte die Geschäftsführerin der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW) Renate Bähr anlässlich der Vorstellung des Weltbevölkerungsberichts in Berlin. "Nach wie vor werden in den Entwicklungsländern jährlich 76 Millionen Frauen ungewollt schwanger." Das Bevölkerungswachstum kann in vielen Regionen zur Verknappung von natürlichen Ressourcen wie Wasser und Ackerland beitragen und damit die Folgen des Klimawandels verschärfen – und den armen Ländern zusätzliche Hürden bei der Armutsbekämpfung und der Erfüllung der Millennium-Entwicklungsziele in den Weg stellen. "Gesundheit muss daher Schwerpunkt der Entwicklungshilfe sein – gerade angesichts des Klimawandels. Sonst riskieren wir, die hart errungenen Entwicklungsfortschritte für immer zu verlieren", mahnte Bähr.

Die Industrieländer haben bislang den größten Teil der klimaschädlichen Treibhausgase produziert - an den Folgen des Klimawandels leiden dagegen überproportional die Entwicklungsländer. Extreme Wetterereignisse, häufige Überschwemmungen, Dürren, Wasserknappheit, der Anstieg des Meeresspiegels, verschärfte Nahrungsmittelknappheit und zunehmende Gesundheitsrisiken treffen vor allem die ärmeren Bevölkerungsgruppen. Die meisten der rund 1,5 Milliarden Menschen auf der Welt, die mit weniger als einem US-Dollar am Tag auskommen müssen, sind Frauen.

Folgen globaler Klimaveränderungen: Frauen am stärksten betroffen

"Arme Frauen in armen Ländern sind am stärksten von den Folgen des Klimawandels betroffen, obwohl sie am wenigsten dazu beigetragen haben", erklärte UNFPA-Vertreterin Bettina Maas auf der Pressekonferenz in Berlin. Kommt es zu Dürren oder unregelmäßigen Regenfällen, müssen Frauen weit mehr Zeit und Energie aufwenden, um Nahrung, Wasser und Brennmaterial heranzuschaffen. "Dieser Kreislauf aus Entbehrungen und Armut schwächt die Fähigkeit der Menschen, effektiv auf den Klimawandel zu reagieren", so Maas.

Der Report zeigt, dass Investitionen in Frauen und Mädchen die ökonomische Entwicklung vorantreiben und die Armut bekämpfen helfen und zugleich die Widerstandsfähigkeit der Menschen gegenüber den Folgen des Klimawandels stärken. "Wir müssen Frauen dabei unterstützen, selbstständig Entscheidungen über ihr eigenes Leben zu treffen", forderte Maas. Vor allem Maßnahmen im Bereich Bildung und Gesundheit stärken Frauen und Mädchen. Beispielsweise haben Mädchen mit einer höheren Schulbildung später eher kleinere und gesündere Familien. Frauen, die Zugang zu Dienstleistungen der reproduktiven Gesundheit – einschließlich Familienplanung – haben, bekommen weniger Kinder.

"In Kopenhagen darf es nicht nur um klimafreundliche Technologien und die Reduktion von Treibhausgasen gehen", verlangte Maas. "Die Klimadebatte der Zukunft muss die menschlichen Dimensionen des Klimawandels einschließen und vor allem Frauen bei den Strategien zur Bewältigung des Klimawandels stärker berücksichtigen."

Die 58-seitige Kurzfassung des Weltbevölkerungsberichts 2009 "Eine Welt im Wandel: Frauen, Bevölkerung und Klima" sowie weitere Informationen (Grafiken, Pressezusammenfassung und Grafiken) können Sie hier herunterladen.

Ein gedrucktes Exemplar der Kurzfassung des UNFPA-Weltbevölkerungsberichts 2009 können Sie gegen eine Schutzgebühr von 1,50 Euro bei der
DSW bestellen.


Entnommen
DSW[newsletter] November 2009
Mit freundlicher Genehmigung